Georgetown – “Mac, Street Art, Tour de Penang Hill”

Um Thailand hinter mir zu lassen, standen wieder einige Mini-Busse auf dem Programm. Einer holte mich morgens um kurz nach Sechs von meiner „Villa“ ab. (Stephanie hatte zum Abschied sogar noch ein Frühstückspaket  für den Start in den Tag gepackt) Der erste Mini-Bus brachte mich zu einem Sammelpunkt für die Fähre. Dort wartete dann der nächste Mini-Bus, der mit auf die Fähre ans Festland kam. In diesem Minibus ging es dann gute anderthalb Stunden voran, bis wir Pause machten. Da dachte ich noch, wir sollen alle mal auf Toilette gehen und was speisen, aber als ich zurück kam, war mein Gepäck schon in einen anderen Mini-Bus geladen worden. Okay, die werden schon wissen was sie tun und so fuhren wir weiter einige Stunden bis nach Hat Yai. Dunkel erinnerte ich mich, dass ich vor sieben Jahren hier mal übernachtet habe. Dort angekommen hieß es dann wieder Gepäck ausladen und eine halbe Stunde warten. Warten heißt bei mir immer die Beine vertreten und so machte ich eine Runde um den Block und siehe da, mein Hotel von vor sieben Jahren tauchte vor mir auf: was für eine Absteige! Im nächsten Mini-Bus ging es dann bis zur Grenze: alle raus, Ausreisestempel holen, alle wieder rein in den Bus. Eine Minute weiter, wieder alle raus, dieses Mal mit Gepäck und Einreisestempel für Malaysia holen. Dann alle wieder rein und weiter ging die Fahrt. Mit an Bord waren noch andere Backpacker unter anderem eine junge Dame aus Amerika. In Malaysia wurden wir dann von einem Monsunschauer überrascht, was den Fahrer aber nicht davon abhielt der schnellste auf der Autobahn zu sein und die Amerikanerin wäre am liebsten ausgestiegen. Trotz Sicht unter 50m und definitiv Aquaplaning erreichten wir sicher Georgetown gegen 21Uhr.

Nach einem langen Reisetag hätte ich mich am liebsten in ein privates Zimmer zurück gezogen, aber nach all der Ruhe der letzten Wochen, stand mal wieder Hostel mit 6-Bett-Zimmer auf dem Programm. Über Hostelworld hatte ich das Ryokan Boutique Hostel gebucht für 7€ die Nacht mit Frühstück. Ein Hostel welches ich echt empfehlen kann. In der Altstadt gelegen kann man alles gut zu Fuß erreichen und das Frühstück war für ein Hostel echt top. Vor allem der Angestellte Mac war der Hammer. Sieht aus wie 35, ist aber 50 und kennt jeden Hostelbewohner (auch ehemaligen) beim Namen. Mit ihm hatte ich so einige tiefsinnige Gespräche über das Leben und er ist definitiv die gute Seele in dem Hostel. Ohne Abendbrot konnte ich aber nicht ins Bett und so fand ich ziemlich schnell genau was ich brauchte. Ein indisches Restaurant im Streetfood-Style und ich war im Himmel. Wer schon einmal indisch gegessen hat, weiß was ich meine. Thai-Essen ist zwar schön und lecker, aber indisch ist einmalig. Die Gewürze, die Schärfe, die Freundlichkeit der Inder und das Beste: man isst mit Händen und schaufelt sich für nicht mal 2€ so richtig voll. Dieses Restaurant war jeden Tag mein Anlaufpunkt für das Abendbrot und ich vermisse es bereits jetzt.

Nun zu Georgetown. Ich war bereits 2009 hier, doch so richtig kann ich mich an nichts mehr erinnern, also alles nochmal erkunden. Georgetown ist, wie der Name schon sagt, eine britische Kolonialstadt gewesen und die Altstadt mit all seinen Kolonialbauten ist seit einigen Jahren UNESCO Weltkulturerbe. Es ist schon ein krasser Gegensatz, wenn man aus Thailand kommt, wo gefühlt das älteste die Tempelanlagen sind. Georgetown hat aber neben alten Gebäuden vieles vieles mehr zu bieten. Berühmt ist diese Stadt vor allem auch durch seine Street-Art Szene, denn in der ganzen Stadt sind kleinere und übergroße Bilder an den Fassaden der Häuser zu sehen und es gibt einen eigenen Stadtplan um alle diese Bilder zu finden. Leider hat auch hier die Neuzeit Einzug erhalten und alle Touristen laufen mit ihrem Smartphone vor der Nase wie ferngesteuert umher. Ich hatte weder den Stadtplan, noch eine App und so lief ich jede Straße ab und fand auch so einige Bilder, die definitiv nicht Teil irgendeiner App waren, denn in diesen Seitenstraßen war niemand außer mir, während die „berühmten“ Bilder belagert waren. Neben der Street-Art, fällt in Georgetown vor allem das Multi-Kulti auf. War man eben noch im Little India mit Bollywood Musik, so ist man ein paar Straßen weiter schon in Chinatown. Auch die Religionen leben hier friedlich nebeneinander, so steht an der einen Straßenecke noch der älteste chinesische Tempel der Stadt mit riesigen Räucherkerzen, ist in Sichtweite schon ein schicker Hindutempel und gegenüber steht eine große Moschee. Ist schon faszinierend, dass es anscheinend keinen Glaubenskonflikt gibt, solange jeder dem anderen seinen Glauben lässt. Ein weiteres Highlight in Georgetown sind die Stelzenhäuser, denn Georgetown liegt auf der Insel Penang und ist in frühen Jahren sehr schnell expandiert, da Georgetown von den Briten zur Handelshauptstadt in Malaysia gemacht wurde. Die erfinderischen Chinesen, die auch hier in Strömen ihr Glück suchten, bauten einfach neue Stadtviertel ins Wasser, denn man wollte nicht zu weit weg vom Zentrum sein und Handel wurde damals noch über Seewege abgewickelt. Auch heute noch dienen viele Hütten als Wohnraum, aber auch Souvenirshops und Restaurants sind dort inzwischen zu finden. Einige dieser Stelzensiedlungen wurden in den letzten Jahren bereits abgerissen, da Baulöwen lieber schicke gläserne Hochhäuser ans Ufer stellen. Ich finde es schade, dass Teile der Geschichte so einfach ausgelöscht werden.

Tag zwei in Georgetown wollte ich dann ein bisschen raus aus der Stadt und habe mir einen Linienbus zum botanischen Garten gesucht. Der Bus ist mit 40 Cent echt komfortabel und günstig und fährt direkt vor den Eingang. Begrüßt wurde ich dort von einigen Affen, die wohl gerade Mittag gemacht hatten. Der botanische Garten ist ein bisschen enttäuschend, was vielleicht an der Jahreszeit liegen kann, aber für umsonst kann man ruhig mal ein paar Sträucher, Palmen, Kakteen und Pflanzen bestaunen. Ich hatte in meinem e-Reiseführer gelesen, dass es eine Straße hinauf zum Penang-Hill gibt. Ich war zwar schon 2009 auf dem über 700m hohen Hügel, aber damals noch mit der alten Bergbahn, die inzwischen durch eine neue aus der Schweiz ersetzt wurde. Da ich noch nicht ausgelastet war, wollte ich da unbedingt hoch und es sind ja nur 5km dachte ich mir. Was mich da geritten hat, weiß ich bis heute nicht, aber da war ich nun auf der Straße, die nur von Allradfahrzeugen befahren werden darf. Voller Elan machte ich mich an die erste Steigung und das in Flip Flops und mit nur 300ml Wasser. Anfängerfehler ich weiß, aber war auch nicht wirklich geplant. Bereits nach dem ersten Anstieg war ich durchgeschwitzt, nach der ersten Serpentine war ich geschockt, nach der nächsten Serpentine war ich gebrochen und nach der dritten Serpentine fiel mir auf, dass die Zahlen am Straßenrand die Meterangabe war. Ich hatte schon sage und schreibe 800m geschafft. Okay Pause, nachdenken, zweifeln, einen inneren Kampf austragen und weitergehen. Die ersten Wanderer kommen von vorne und demoralisieren mit der Aussage: „Not a good way. Very long.“! Und die gehen bergab. Ich wollte meinen Schweinehund aber nicht schon wieder gewinnen lassen und so kämpfte ich mich Schritt für Schritt und Kurve für Kurve den Berg rauf. Bei 2,5km hatte ich wieder die Oberhand und war guter Dinge, hatte die Rechnung aber ohne den Kilometer 4 gemacht. Inzwischen hatte ich das Gefühl, dass der Penang-Hill ein 8000er ist. Nach schätzungsweise 1,5h kam ich völlig fertig oben an und wollte nur noch sitzen und ein kaltes Wasser genießen. Die gutgelaunten Touristen, die alle faul mit der Bergbahn hochgekommen waren, schauten mich mitleidig an und als Dank für meine Mühen, waren auch noch Wolken aufgezogen, sodass Georgetown und die tollen langen Brücken zum Festland (eine über 10km und eine über 20km) nicht zu sehen waren. Immerhin war die neue Bergbahn der Schweizer in nur 5min wieder unten und zurück im Hostel war dann nicht mehr viel mit mir los. Georgetown ist aber auf jeden Fall ein Besuch wert und mir gefällt die Stadt sehr mit ihren vielen tollen Gebäuden, der Straßenkunst, den vielen tollen Cafés und natürlich mit tollem Essen. Als nächstes steht nach einigen Wochen mal wieder eine Großstadt an: Kuala Lumpur, die Hauptstadt Malaysias und Heimat der Petronas-Twin-Towers.

Unnützes Wissen: Das muss ich unbedingt mit euch teilen. Auf der Busreise nach Malaysia habe ich ein bisschen im Thailand –Reiseführer gestöbert und was tolles und skurriles gelesen. Die ersten siamesischen Zwillinge wurden, welch Wunder, im damaligen Siam, dem heutigen Thailand, von einem Amerikaner entdeckt. Die beiden Chang und Eng waren an den Körperseiten zusammengewachsen (die Medizin konnte sie damals noch nicht trennen) und traten als Kuriosität auf Jahrmärkten auf. Soweit alles nicht wirklich skurril, doch jetzt wird es interessant: die beiden wanderten nach Amerika aus, blieben erfolgreich in dem sie sich der Öffentlichkeit präsentierten und suchten sich ein Schwesternpaar, das sie heirateten. Obacht: zusammen haben die beiden 21 Kinder in die Welt gesetzt und zwar durften die Frauen immer abwechselnd für drei Tage das Bett mit den beiden teilen. Hat der andere sich dann schlafend gestellt? War es trotzdem immer ein Dreier? Der Rest ist eurer Fantasie überlassen. Ich fand es lustig und musste herzhaft beim Lesen lachen, was mir einige komische Blicke gebracht hat.

Ganz schön unauffällig für Undercover oder?

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