Kuala Lumpur – „Twins, Kino, Malls“

Zunächst einmal stand ich vor einer schwierigen Entscheidung: Fliegen oder Busfahren. Ein Flug von Penang nach Kuala Lumpur ist schon für 20-30€ zu bekommen und somit unheimlich günstig und Zeit sparend. Trotzdem fiel die Wahl auf den Langstreckenbus, denn Zeit habe ich ja genügend. Dazu muss man wissen, dass die Preise für Langstreckenbusse staatlich festgelegt sind in Malaysia und somit nie groß variieren. Im Hostel in Penang konnte ich den Bus direkt mit Transfer zum Busbahnhof für 9€ buchen. Die Langstreckenbusse in Malaysia sind äußerst komfortabel, da nur 27 Personen (3 pro Reihe) in einem Bus sitzen und dazu kommt, dass die Busbahnhöfe viel dichter am Stadtzentrum sind als Flughäfen. Also ging es in knapp fünf Stunden südlich nach Kuala Lumpur. Dort angekommen war ich ein bisschen überrascht wie schnell wir waren und stieg nicht an der ersten Haltestelle aus, da ich davon ausging die Endstation wäre im Zentrum. Falsch gedacht, denn der Bus entfernte sich mehr und mehr vom Zentrum um einen anderen Busbahnhof anzusteuern. Zum Glück lag diese Station an der Verbindungsstrecke Flughafen – Zentrum und so nahm ich den Zug zurück ins Zentrum. Dort angekommen in eine U-Bahn und zwei Stationen später war ich auch schon bei meinem Hostel direkt im Herzen von Kuala Lumpur: Im Sunshine Bedz Hostel hatte ich ein Bett im 6 Bett-Zimmer mit Frühstück für knapp 8€ die Nacht gebucht. Definitiv eine Empfehlung, nettes Personal und entspannte Gäste.

Einer meiner Zimmerkumpanen war ein 72 jähriger Brite, der seit 25 Jahren dem Winter in Europa entflieht und von Oktober bis April zu Gast in Asien ist. Natürlich hatte ich diesen Reiseveteran nach seinem Geheimtipp für KL gefragt, doch dazu später mehr. Bereits bei meiner Ankunft in KL war ich mir nicht sicher ob ich bereit für eine Großstadt bin. Zu voll, zu hektisch und vor allem zu laut. Dennoch machte ich mich auf die Socken um meine alten Freunde die Petronas Twin Towers zu besuchen, denn bereits vor sieben Jahren war ich beeindruckt von den ehemals höchsten Gebäuden der Welt. Auf dem Weg zu den Twins ist mir aufgefallen, dass KL eine einzige Baustelle ist und überall neue Hochhäuser, Malls und Straßen gebaut werden. Wer weiß wie die Stadt in 7 Jahren aussieht?! In der Nähe von meinem Hostel war die riesige Pavillon Shopping Mall, einer der größten Malls die ich je gesehen habe und diese Mall ist inzwischen über einen klimatisierten Walkway oberhalb der Straßen mit den Twins verbunden und so ist der Weg von meinem Hostel zu den Twins ganz entspannt in 10-15min gemacht. Die Twins und der Park dahinter sind immer noch so beeindruckend wie beim ersten Mal, also machte ich einen ausgiebigen Halt im Park und bewunderte die Türme. Dort wurde ich dann von zwei netten Studentinnen gefragt, ob ich an einer Umfrage über meine erste Fremdsprache teilnehmen würde. Ich hatte ja nichts Besseres zu tun und sagte sofort zu. Als ich meinte ich komme aus Deutschland und Deutsch sei meine erste Fremdsprache, verstand wohl nur ich den Scherz. Nach ein paar Minuten war die Umfrage auch schon vorbei und die beiden wollten unbedingt ein Selfie mit mir, also gut ein Sefie und zum Dank erhielt ich einen Schokoriegel, nett oder? Irgendwie war mir nicht danach in dieser Großstadt umherzulaufen, also folgte ich dem Geheimtipp des Briten: „Geh ins Kino! Es ist so billig hier“. In der Pavillon Mall ist ein riesiges modernes Kino mit 12 Sälen und 80% der Filme (nur neue Blockbuster) werden auf Englisch gezeigt. Also den Film „Fantastic Beats…“ ausgesucht und Karte gekauft. Wie bitte? Nur 2,50€ eine Eintrittskarte? Und Popcorn plus Cola für weitere 2€? Ich war im Himmel angekommen und habe nach langer Zeit mal wieder einen Kinobesuch richtig genossen.

Den zweiten Tag in Kuala Lumpur wollte ich mit ein bisschen Kultur füllen und so ging es kreuz und quer durch die Stadt um zum Chinatown zu gelangen, wo es einen alten Cantral Market gibt und südlich davon, eine riesige Moschee, alte Gebäude und andere Wahrzeichen. Dennoch wurde ich mit KL nicht richtig warm, da alles irgendwie zu groß und zu hektisch war und dazu kamen die 32 Grad bei gefühlter 100% Luftfeuchte. Auf dem Rückweg durchquerte ich noch den Park rund um den KL Tower, der ein bisschen wie der Berliner Fernsehturm aussieht und ein weiteres Wahrzeichen von KL ist. Dieser Park liegt auf einem kleinen Hügel mitten in der Stadt und ist kostenlos zu betreten. Man fühlt sich sofort wie in einem Dschungel und vom Baumwipfel-Pfad hat man eine schöne Sicht auf den KL Tower. Aber drei Stunden Rennerei waren definitiv genug, also wurde eine weitere Kinokarte gekauft und „Doctor Strange“ stand auf dem Programm, natürlich mit allem drum und dran! Ein Kinobesuch ist tatsächlich ein Geheimtipp, da die Kinos auf dem neuesten Stand sind und so unglaublich günstig! Die Preispolitik funktioniert übrigens super, denn jeder Film war äußerst gut besucht. Warum also die Tickets so teuer machen, dass keiner mehr geht und dann wieder teurer machen, damit die wenigen die gehen noch Geld einbringen?

Als Fazit muss ich sagen, dass KL für mich eindeutig zu stressig und anstrengend war und ich einmal mehr gemerkt habe, dass Großstädte nichts für mich sind. Ich verstehe auch nicht, warum immer mehr neue Konsumtempel gebaut werden und überall die gleichen Marken nach kaufwilligen Kunden geifern. Wenn man mit einem Rucksack reist, weiß man was man braucht und was nicht und was alles unnötiger Luxus und Ballast ist, von daher kann ich mit dieser Form von Konsum im Moment absolut nichts anfangen und war einfach nur geschockt von den Massen, die wie ferngesteuert stolz ihre Einkäufe präsentierten. Während in Thailand Weihnachten noch überhaupt nicht präsent war, haben die Malls dafür gesorgt, dass auch ja keiner Weihnachten vergisst. Ich war froh KL wieder zu verlassen, doch wusste ich noch nicht ob ich mich wirklich auf Singapur freuen sollte?!

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