Perth/Roadtrip “Kalter Kulturschock”

Gute 18.000km liegen gerade zwischen meiner Heimat und meinem Homestay in Wellington. In den letzten fast sechs Wochen ist wieder einiges passiert und es ist Zeit (und Ruhe) euch daran teilhaben zu lassen. Ein bisschen geht es der Reihe nach, aber nur ein bisschen.

Ich hatte ja bereits in meinem letzten Blog erwähnt, dass Australien mich zunächst ein bisschen „schockiert“ hat. Wenn man gute vier Monate in Asien verbringt, sich an die Preise, den Lebensstil und das Wetter gewöhnt hat, dann kommt einem die westliche Kultur schon ein bisschen befremdlich vor. Ein kleines Beispiel: in Perth angekommen an einem Freitagabend, entschied ich mich noch ein bisschen durch die Stadt zu laufen um einen Supermarkt zu suchen. Locker flockig in Shorts und Flip Flops spazierte ich durch das Ausgehviertel Northbridge und musste feststellen, dass ich ein bisschen under-dressed war, denn jeder der mir entgegen kam, war in Abendkleidchen oder Hemd auf dem Weg ins nächste Restaurant oder die nächste Bar. Im Supermarkt angekommen, hatte ich leichte Entscheidungsschwierigkeiten, denn von der riesigen Auswahl wurde ich völlig überrumpelt und konnte mich überhaupt nicht entscheiden was ich kaufen wollte, von den Preisen wollen wir mal gar nicht sprechen. Am nächsten Tag nahm ich einen weiteren Anlauf zum Supermarkt, um dieses Mal vor verschlossenen Türen zu stehen. Ich hatte total vergessen, dass es Samstag war und in der westlichen Kultur Öffnungszeiten unseren Kaufrhythmus bestimmen. Auf Bali spielt es keine Rolle welcher Wochentag und welche Uhrzeit es ist. So langsam gewöhnte ich mich aber wieder an die westliche Kultur und ich lernte sie sogar zu schätzen. In der Nähe von meinem Hostel in Northbridge lag der kleine aber feine Hydepark, in dem ich viele Stunden verbringen sollte in den nächsten Tagen. Gerade am Wochenende verbringen viele Australier ihre Freizeit in Parks beim Barbecue mit Freunden und im Sommer gibt es unzählige Events. Im Hyde Park wurde eine Bühne aufgebaut und ich wollte natürlich wissen, was da passiert. Es sollte ein kostenloses Live-Konzert gespielt werden und vorher wurden Kurzfilme gezeigt, die einen lokalen Wettbewerb gewonnen hatten. Die Kurzfilme waren äußerst interessant, da sie viele Facetten von Perth wiederspiegelten: Italienische Restaurants und Kultur in Perth, Perth als Skateboarding Stadt und Perth als Stadt der Kunst!

Perth als Stadt hat mir sehr gut gefallen, was auch daran lag, dass die ganze Stadt das Sommerfeeling gelebt hat und das Fringe-Festival die Stadt vereinnahmt hat. Das Fringe-Festival ist eine Art Kleinkunst Festival mit vielen verschieden Venues und einer unheimlichen Bankbreite an Darbietungen. Von Live-Musik über Comedy, Kinovorführungen, Zirkus-Nummern … einen ganzen Monat lang ist Perth im Fringe Fieber und jeden Abend ist was los. Meine Zeit in Perth war aber begrenzt, denn ich wollte noch einen kurzen Roadtrip an der südlichen Westküste machen. Dazu ging es zurück zum Flughafen, wo ich einen Mietwagen und Kim abholte, die ich im Surfhouse kennengelernt hatte und die zufällig sieben Tage Zeit hatte, bevor es für sie nach Sydney gehen sollte. Unser Ziel war die berühmte Margaret River Region, die zum einen für exzellenten Weinanbau steht, aber auch für erstklassige Wellen. Das einzige, was irgendwie nicht so richtig passen wollte, war das Wetter, denn die Vorhersage sah alles andere als sommerlich aus. Ein paar Tage später erklärte uns eine super nette Frau in einer kleinen Bäckerei, dass es die kälteste und nasseste jemals aufgezeichnete Wetterperiode im Sommer in Westaustralien war, die im äußersten Süden sogar zu krassen Überschwemmungen geführt hat. So schlimm hat es uns nicht getroffen, aber bei Temperaturen unter 20 Grad, stürmischen Winden und Regen, muss man schon mal seine Jeans rausholen und ne Jacke überziehen. Wir passten unsere Tour also ein bisschen der Wettervorhersage an und verweilten nicht allzu lange in Margaret River, sondern entschieden uns dafür die Küste Stück für Stück wieder zurück nach Perth zu fahren. Da wir im Auto schliefen, war es gar nicht so schlecht, dass wir keine 35 Grad jeden Tag hatten. Westaustralien ist ein schönes Fleckchen Erde und so anders als die Ostküste. Wir hatten zwar nur ein paar Tage, aber mir persönlich hat es dort sehr gut gefallen. Von Margaret River führte uns der Weg zurück nach Perth immer der Küste entlang über Busselton, Bunbury, Mandurah, Rockingham und Fremantle. Morgens Frühstück im Freien an tollen Orten, dann Erkundungstouren, Strand- und Cafebesuche und abends ein Plätzchen zum Schlafen suchen. Alles in allem war der Trip ziemlich entspannt und ein toller Abschluss für 11 Tage Australien.

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