Surfhouse 007 – „Housekeeper“

Wie kann man von diesem Anblick (ich spreche über den Sonnenaufgang oben) genug bekommen? Morgens um 6:30Uhr in der Hängematte, Kaffee in der Hand, Sorgen Fehlanzeige und den Morning Surf anvisiert: Willkommen in meiner neuen Welt auf Bali. Nein Natürlich sieht nicht jeder Morgen so aus (aber fast) und nein ich liege nicht schon jeden Morgen um 6:30Uhr in der Hängematte (oder auf dem Surfboard), aber viele Tage beginnen tatsächlich genau so. Mein erster Monat als „Assistent der Geschäftsführung“ von Yana, oder als Housekeeper ist schon wieder Geschichte und Geschichten gibt es einige zu erzählen und vor allem nimmt meine Geschichte mal wieder eine kleine Wendung in eine andere Richtung.  Aber der Reihe nach. Zurück aus Australien, brauchte ich überhaupt keine Eingewöhnungszeit mehr, denn das Surfhouse 007 und die Umgebung sind zu einem zweiten Zuhause geworden. Mein altes Bett im Mehrbettzimmer bezogen, stand vor allem die Suche nach einem neuen Surfboard auf dem Programm, denn mein altes Board hatte ich kurz vor meiner Abreise noch verkauft. Nachdem ich auf der gesamten Bukit-Halbinsel (südlich von Kuta) nicht fündig wurde, erhielt ich den Tipp nach Kuta zu einem kleinen Surfshop zu fahren um mir ein von Locals handgeshaptes Board (support Bali locals) zu holen für 4 Millionen Rupiah! Im Sunny Surf Shop wurde ich hervorragend von Heru beraten und wie versprochen, hatte er das perfekte Board für mich auf Lager. Stolz wie ein kleiner Junge, fuhr ich tiefenentspannt mit meinem Roller die stressige Strecke von Kuta nach Ungasan zurück und konnte den ersten Surf gar nicht mehr abwarten. Wellen waren vorausgesagt, ein neues Board gekauft, es konnte also weitergehen auf dem Weg zum „Surfer“. Leider ist noch kein Meister vom Himmel gefallen und ein neues Board surft auch nicht von allein und so waren die ersten Surfeinheiten alles andere als erfolgreich. Dennoch ist jede Minute im Wasser unbezahlbar: es ist egal, ob du zwei Stunden lang paddelst ohne auch nur eine Welle zu bekommen. Es ist egal, ob du die in der Impactzone landest und ein komplettes Set Wellen auf den Kopf bekommst. Man bekommt das Lächeln einfach nicht aus dem Gesicht und genießt jeden Moment auf dem Brett.

Was macht man eigentlich als Assistent in einem Surfhouse, wenn man nicht selber gerade Surfen ist?! Dann ist man: Hausmeister, Rezeptionist, Tourguide, Mechaniker, Surfguide, Gärtner, Waterboy, Klempner, Krankenpfleger, Englisch-Lehrer für Yana … Klingt ziemlich stressig oder? Ist es aber überhaupt nicht und selten (eigentlich nie) fallen alle Aufgaben auf einmal an. Mir macht es Spaß mit Gästen zu interagieren, ihnen die wichtigsten Orte (Supermärkte, Indo-Restaurants, westliche Restaurants, Fruchtmarkt, Partylocations, Krankenhaus) der Umgebung zu zeigen, die Surfspots zu erklären oder ein Käffchen/Bierchen mit Ihnen zu trinken. Yana ist ein super Boss, die versteht, dass Aufgaben manchmal warten müssen, bis man vom Surfen zurück ist. Alles in allem ein wirklicher Traumjob. Das besondere am Surfhouse 007 ist die chillige Atmosphäre mit seinen tollen Gästen. Da ist zum Beispiel Jakub, mein liebster Tscheche aus Prag, mit dem ich jeden Tag herrlich lachen kann und der ein echter Freund geworden ist, auch wenn es manchmal Hassliebe ist! Da war Sanna aus Schweden, die fast zwei Monate im Surfhouse verbracht hat um ein bisschen Fernstudium zu betreiben, die uns aber auch mit mysteriösen Krankheitssymptomen auf Trapp gehalten hat. Jeder Gast hat eine andere Lebensgeschichte zu erzählen und ich bin immer wieder gespannt diese Geschichten zu hören, auch wenn es manchmal schwer fällt nach ein paar Tagen schon wieder GoodBye sagen zu müssen.

Wo wir gerade bei Geschichten sind, die das Leben schreibt: 2009 im März (kurz nach Ihrem Geburtstag) haben wir uns in Neubrandenburg kennengelernt, dann bin ich im September 2009 auf Weltreise gegangen und Sie hat ein neues Kapitel in Magdeburg aufgeschlagen, Anfang 2011 ein letztes Wiedersehen, bevor wir uns aus den Augen verloren haben, März 2017 befinden wir uns beide auf Reisen und stellen fest, dass Bali eine gemeinsame Schnittstelle ist. Tatort Cashew Tree (meine Stammlocation Donnerstag abends mit Livemusik und entspannter Atmosphäre): auf meine Empfehlung hin, wollte Karleen hier in ihren Geburtstag rein feiern, da es die einzige Möglichkeit auf der Bukit Halbinsel auf einen Donnerstag ist. Kurz vor Mitternacht sehen wir uns dann tatsächlich nach über 6 Jahren auf Bali wieder, schön verrückt! Natürlich ließ ich es mir nicht nehmen Punkt Mitternacht noch mit einer kleinen Aufmerksamkeit aufzuwarten, schließlich durfte der Geburtstagskuchen doch nicht fehlen.  Auch wenn es meine angekündigte Aftershow-Party nicht gab, fanden wir mit anderen lustigen Wegbegleitern (unter anderem Ivan der Kanadier, der unter beachtlichem Alkoholeinfluss einen Flaschentrick vorführte, der alle erstaunen ließ morgens um 2:00Uhr) einen 24h Kiosk, der noch genug Bier im Kühlschrank hatte. In den folgenden Tagen wechselte Karleen dann ins Surfhouse und wir verbachten wunderbare Tage in meinem zweiten Zuhause. Woran merkt man eigentlich, dass man so langsam Local wird? Man wird auf der Straße von Einheimischen gegrüßt, die Restaurant Mitarbeiter wissen schon was man bestellen möchte, der Fruchthändler des Vertrauens rückt immer die beste Melone raus und die Mitarbeiter im Supermarkt rufen einem schon beim reinkommen entgegen, ob es wieder Bier sein soll! Sonntagabend ist auf Bali ein besonderer Abend, denn viele Einheimische begeben sich zum Meer („Waschtag“). Auch wir haben uns auf den Weg zum Secret Beach (fast keine Touristen) gemacht und im Gepäck hatten wir noch Pepina (die „Wachhündin“ im Surfhouse). Im Gepäck heißt, dass Pepina seelenruhig im Fußraum vom Roller saß! Bei Lowtide bildet sich am Secret Beach ein vom Riff getrennter kilometerlanger Pool in den man unheimlich gut chillen und den Sonnenuntergang genießen kann. Da passiert es schon mal, dass jemand mit einer Harpune vorbeischwimmt und den Pool leer fischt. Neugierig wie wir sind, wollten wir wissen was der so fängt und vorne auf der Harpune war ein stachliger Kugelfisch aufgespießt. Jedenfalls war dieser Abend ein ganz besonderer zwischen all den Locals und irgendwie gehörten wir dazu und fühlten uns „Zuhause“.

Leider sind die Tage viel zu schnell vergangen und ich musste bereits wieder packen, da mein doppelter Visarun bevorstand. Aber davon berichte ich dann im nächsten Blog, der dann einige Überraschungen bereit hält!

5 Kommentare zu “Surfhouse 007 – „Housekeeper“


  1. Was ist los? Hast du eine
    Schreibblockade???
    Es ist doch immer wieder schön, von
    dir zu lesen. Aber im Moment … 🙁
    Nix.
    Aber was sagt man: Leute die sich
    nicht melden, denen geht es gut. 😉
    Also habe weiterhin viiiiiel Spaß.

  2. Hallo,“ Assistent“ Stefan,
    deine Schilderungen und die Aufnahmen
    von Bali lassen uns nachempfinden,
    wie wohl
    du dich dort fühlst. Von deinen
    Eltern haben wir nun von deinen neuen
    Vorhaben
    erfahren und wünschen dir bei deren
    Realisierung viel Erfolg.
    Henry bricht übrigens Ostern nach
    Thailand/Vietnam auf!
    Liebe Grüße senden dir Margrit und Lutz

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