Ungasan – “Surfen, Reifenplatzer, Shithead”

Ungasan – „Surfen, Reifenplatzer, Shithead“

Eigentlich sollte dieser Blog bereits vor einigen Tagen erscheinen, aber mein Körper wollte wohl Bali genauso wenig verlassen, wie mein Geist und so wurde ich auf meiner Reise von Denpasar über Kuala Lumpur zurück nach Phuket von fiesem Fieber und Durchfall überrascht und so wurde die Reise mit 10 stündigem Aufenthalt am Flughafen in Kuala Lumpur zu einer kleinen Odyssee. Geschafft von den Reisestrapazen und den körperlichen Entbehrungen, kam ich glücklich im Dive Hostel in Khao Lak an und genehmigte mir erst einmal 18 Stunden Schlaf. Und jetzt habe ich auch wieder die Kraft euch von Bali zu berichten.

Bali-Cliff (2min südlich vom Surfhouse)
Bali-Cliff (2min südlich vom Surfhouse)

Ich hatte ja bereits angekündigt, dass ich genug von Party hatte und mir deshalb ein Bett im Surfhouse Bali (Ungasan) gebucht habe um wieder zu Surfen und auch mal zu Chillen. Ich reise ja eigentlich schon immer ohne Erwartungen, aber was die nächsten Tage folgen sollte übertraf bei weitem alles, was man erwarten hätte können. Yana, Yan, Balin und Lukas (die Crew, die alles in den Häusern am Laufen hält) sorgten von Beginn an dafür, dass man sich wie Zuhause fühlen musste. Aus den gebuchten 3 Tagen Aufenthalt wurden am Ende volle 9 Tage mit tollen Erlebnissen und Begegnungen. Das Gute am Reisen ohne Zeitplan ist, dass man nichts überstürzen muss und einfach da bleiben kann, wo es einem gerade gefällt. Ich habe jetzt wirklich nicht wirklich viel von Bali gesehen, aber das hole ich dann nach, wenn ich im Dezember wieder da bin für weitere 8 Wochen. Ungasan liegt auf dem südlichen Ende von Bali, das für seine Traumstrände und vor allem für seine Traumwellen bekannt ist. Das Surfhouse Bali liegt ziemlich zentral und man erreicht alle Strände mit dem Roller in kürzester Zeit. Das Surfhouse ist wie eine kleine tschechische Kommune, da die Leute, die dort arbeiten alle von da kommen und auch viele Gäste aus der Region stammen. Dennoch waren in den Mehrbettzimmer auch andere Nationen vertreten: Slowakei, Deutschland, Finnland, Mexiko, Ungarn und Frankreich. Auf jeden Fall eine tolle Mischung und tolle Leute, die in kurzer Zeit zu einer kleinen Familie zusammen gewachsen sind und jeder Abschied schwer fiel. Im Surfhouse war vor allem die Chill-Out-Area mit einer ständigen Seebriese Treffpunkt, da es sonst bei beständigen 30 Grad und Sonne pur ziemlich heiß war (ein weiteres Haus in der Nähe gehört zum Surfhouse und dort kann man den Pool mitnutzen). Also die Flucht aus Thailand hatte sich definitiv gelohnt, denn Bali verwöhnte mit perfektem Wetter. Das Surfhouse stellte für 4,50€ am Tag einen Roller zur Verfügung mit dem man die Gegend und die Strände erkunden konnte und auch Surfboards standen zu Ausleihe bereit. Doch nicht nur das Equipment war Gold wert, auch die zahlreichen Tipps von Yana (für günstige Shops und Restaurants) und Lukas (für den perfekten Surf-Spot von Anfänger bis Profi).

Nach einem Tag der Eingewöhnung ging es also los: mit Roller und Board ging es eigentlich zum Padang Padang Beach (mit Schildern und Verkehrsordnung haben die es auf Bali nicht so), der aber wurde verfehlt und stattdessen beim Thomas Beach angehalten. Ein erster Eindruck von einem Traumstrand mit wenigen Gästen und ersten surfbaren Wellen. Aller Anfang ist schwer und so blieb es beim ersten rauspaddeln ohne wirkliche Erfolge. Aber der Fortschritt sollte die nächsten Tage sichtbar werden. Bali ist bekannt für seine top Wellen und so wurden wir die ersten Tage mit perfekten Bedingungen gefüttert. Das Gute am Süden Balis ist, dass es für alle Stufen des Könnens Strände zum Surfen gibt und so wurde jeder Tag mit Lukas (der Surflehrer vom Surfhouse) ausgewertet und die Wellenvorschau für den nächsten Tag gecheckt. Ab dem zweiten Tag sollte Balangan Beach mein Surfstrand werden, der nach einem ausgiebigen Frühstück angefahren wurde (15min von der Surfvilla entfernt). Die ersten Tage war ich mit Cristina (einer Mexikanerin) unterwegs und wir teilten Board und Roller um Kosten zu sparen. Nach einem guten Surf in Balangan brachen wir hungrig zurück zur Villa auf. Zunächst verkroch sich eine Wespe in mein Shirt und meinte mich stechen zu müssen und keine fünf Minuten später knallte der Hinterreifen bei voller Fahrt bergauf weg. Ein bisschen schockiert aber unversehrt kamen wir eiernd zum Stillstand und standen vor der Frage. Was nun? Zum Glück waren die beiden Slowakinnen aus unseren Surfhouse mit dabei, die zur nächsten Werkstatt fuhren um Hilfe zu holen. Dort angekommen entschieden wir zunächst den Besitzer des Rollers anzurufen und zu fragen was zu tun sei. Der Typ war super hilfsbereit und total freundlich und kam sofort mit einem neuen Hinterreifen zu der Werkstatt und als er sah, dass auch der Vorderreifen nicht gerade mit Profil gesegnet war, orderte er einen neuen Vorderreifen, den seine Frau dann auf einem weiteren Roller brachte. Eine Stunde nach dem Reifenplatzer, saßen wir also wieder auf unserem Roller mit zwei neuen Reifen und mussten nur die Reifenwechsel bezahlen: insgesamt 3,50€, gerade noch zu verkraften!!

Werkstatt mit Stundenlohn 3,50€
Werkstatt mit Stundenlohn 3,50€

Wo wir gerade bei Preisen sind. Bali ist der absolute Hammer. Ich habe 3 Kilo Wäsche waschen lassen, die am nächsten Tag sauber, gebügelt und zusammengelegt abgeholt werden konnte für gerade einmal 1€! Das kleine aber feine Restaurant Warung Sonny nahe dem Surfhouse verwöhnt seine Gäste mit indonesischer Küche, frischen Fruchtsäften und absoluter Freundlichkeit. Ein Gericht (davon werde sogar ich mehr als satt) mit frisch gepresstem Saft kostet um die 1,40€. Es gibt viele weitere einheimische Restaurants, die eine Art Buffet anbieten, bei dem man sich rund um eine Portion Reis alle Beilagen selbst zusammenstellt und um die 1-2€ bezahlt. Die Unterkunft im Mehrbettzimmer (max. 4 Personen) im Surfhouse kostet 9€ die Nacht. Es lässt sich also gut und günstig auf Bali aufhalten. Nach oben sind natürlich keine Grenzen gesetzt und es gibt Luxusunterkünfte und Restaurants mit europäischen Speisen und Preisen.
Jeder der schon einmal zwei Stunden auf einem Surfboard gelegen, gesessen oder gesurft ist, weiß wie anstrengend das ist und so bestehen Surftage aus Surfen, Essen und Schlafen und repeat. Ich war ein bisschen froh, dass die Wellen für ein zwei Tage kleiner wurden und so nahm ich mir nach 4 Tagen eine Pause vom Surfen, denn der nächste große Swell war bereits im Anmarsch. Dieser Swell war aber so groß, dass wir (die beiden Slowakinnen Veronika und Marianna, die Finnin Emilia und die Tschechin Anna) nach Jimbaran ausweichen mussten. Große Wellen heißt, dass man abends Lukas (mit Sicherheit der beste Surfer im Surfhouse) trifft und der erzählt, dass sein Shortboard in drei Teile zerbrochen ist, da er sich nach einem Fehler genau zwischen den großen Brechern wiedergefunden hat: vor ihm die brechenden Wellen und unter ihm bereits das Riff. Der Rest ist Geschichte. Aber auch als Anfänger kann man Pech haben. Franca (aus Münster) musste das bei ihrer ersten Surfstunde am eigenen Leib erfahren. Gerade eine Welle gestanden, kam es zu einem Crash mit einem weiteren Anfänger und eines der Boards fand sich in ihrem Gesicht wieder. Resultat: Platzwunde auf der Nase, die genäht werden musste und eine riesige Schramme im Gesicht (An Tag 2 ihres 3 monatigen Südostasientrips). Zum Glück alles halb so wild und noch einmal gute Besserung auf diesem Wege. Ich habe bis jetzt nur eine Finne auf einem Riff zerbrochen, die man aber in einem Surfshop second hand für 3,50€ ersetzt bekommt.

Wenn man nicht gerade surft, schläft oder isst, dann nutzt man die Gelegenheit zu relaxen um Kräfte für den nächsten Surf zu sammeln. Abends wird dann bei Musik auf der Terrasse gesessen, der Surftag ausgewertet, Bierchen getrunken oder auch mal einen selbstgebrannten aus der Slowakei und man lernt neue Kartenspiele. Shithead hat uns der Ungar Balin beigebracht und Franca hat uns in die Kunst des Kartenspiels Golf eingeführt. Wer gewinnt ist eigentlich egal, es zählt allein der olympische Gedanke. Auf jeden Fall waren die Leute im Surfhouse Bali in Ungasan wie eine zweite Familie und ich bin nicht der erste, der seinen Aufenthalt um einiges verlängert hat. Einige bleiben für Monate und das kann ich gut verstehen. Yana hat mir versprochen, wann immer ich wiederkommen möchte, wird ein Bett für mich frei sein und ich werde definitiv ein weiteres Mal zurückkehren. Mein erstes Mal Bali für gute zwei Wochen war jedenfalls der absolute Hammer und ich wurde nach meinem Partyaufenthalt in Legian positiv überrascht. Der Süden verwöhnte mit tollem Wetter, super netten Leuten, hilfsbereiten und immer freundlichen Einheimischen (die nicht nur das Dollarzeichen in einem sehen), traumhafte Surfbedingungen (ohne Stress im Wasser auch wenn man mal einem Local in die Welle gepaddelt ist) und günstigen Preisen. Nach einer tollen Zeit fällt jeder Abschied schwer und so wollte ich eigentlich nicht abreisen, aber der Flug zurück nach Thailand stand bevor und in Thailand warten Begegnungen, auf die ich mich sehr freue. Und wenn man weiß, dass man bereits in 4 Wochen wieder zurück nach Bali fliegt, dann ist alles nur halb so wild. Zum Flughafen bin ich übrigens mit Uber gefahren: in Deutschland verboten, ist diese App in vielen Ländern der Welt viel genutzt. Uber ist eine Art Taxizentrale mit privaten Autos. In der App wird der Zielort eingegeben und der Preis erscheint sofort und wird auch online bezahlt und das Beste, der Preis für die Fahrt zum Flughafen (gute 30min) war um zwei Drittel günstiger und hat nur knapp 4€ gekostet. Der Fahrer bekommt sein Geld von Uber und nur neue Autos und gut bewertete Fahrer dürfen angemeldet sein, womit die App sicher und zuverlässig ist!

Sonnenuntergang im Süden Balis

Jetzt steht erst einmal wieder Thailand auf dem Programm, aber dazu dann im nächsten Blog mehr!

2 Kommentare zu “Ungasan – “Surfen, Reifenplatzer, Shithead”


  1. Hallo Stefan,
    schöne Abendgeschichte ;). Weiterhin
    alles Gute, tolle Bekanntschaften,
    viele Erlebnisse.
    Grüsse aus dem frostig sonnigen MV.
    Herzlichst, Marita

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